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Bernhard Pörksen: „Die große Gereiztheit“ – Stoppt die Empörungsdemokratie

Zwar ist dieses Buch nur fast brandneu, es erschien bereits vor zwei Monaten im Februar und wurde bereits mehrfach medial besprochen (u.a. hier: http://www.deutschlandfunkkultur.de/bernhard-poerksen-die-g…), doch aufgrund der in den kommenden Jahren wohl eher zunehmenden thematischen und daher zeitlosen Brisanz soll es auch an dieser Stelle Erwähnung finden.

Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, entwirft in seinem aktuellen Buch ein umfangreiches Bild der neuen (Medien-)Gesellschaft, die vom Internet, der fortschreitenden gegenseitigen Vernetzung in den sogenannten Sozialen Netzwerken und die daran geknüpften Denkmuster dominiert wird und die eine eine „grosse Gereiztheit“, einen „Zustand der Dauerirritation“ bzw. „Phasen rauschhafter Nervosität“ erzeugten. Man könnte, so schreibt er, „selbst wenn man wöllte, den digitalen Fieberschüben nicht entkommen“, was wiederum von einer „Emotionsindustrie“ aufgegriffen würde, welche dies für sich gewinnbringend zu nutzen. Anhand von Beispielen macht er eindrucksvoll deutlich, „mit welcher Unmittelbarkeit Parallelöffentlichkeiten unter den neuen Medienbedingungen aufeinanderprallen“ und beschreibt die Folgen, dass nämlich „Gerüchte pötzlich in den medialen Mainstream gelangen…“ (Stichwort Fakenews) „…und sich hier zu Themen verdichten, zu denen sich schließlich die Außenminister zweier Länder […] äußern.“

Da „Schutzzonen der Unsichtbarkeit und Rückzugsräume der Unbefangenheit“ immer mehr schwänden, lautet demzufolge eines seiner Zwischenfazite: „Institutionelle und damit emotionale Isolation ist im digitalen Zeitalter illusionär, ebendies ist mediengeschichtlich eine Zäsur, die das Kommunikationsklima der Gesellschaft elementar verändert.“ Pörksen spricht deshalb anmahnend auch vom „Übergang von der Mediendemokratie zur Empörungsdemokratie“, einer „fünften Gewalt der vernetzten Vielen“. Seiner Meinung nach wurde Eli Parisers Theorie der Filterblase längst vom sogenannten Filter Clash, dem permanenten Irritiertsein durch Medienechos aus anderen Weltanschauungsräumen, abgelöst.

https://www.hanser-literaturverlage.de/…/die-grosse-gereizt…

Bernhard Pörksen: Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung
Carl Hanser Verlag, München, 2018
256 Seiten, 22 EUR

September 2018
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