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Studie: Social Media führen nicht zu massiv schlechteren Schulnoten

Die Nutzung sozialer Medien schwächt NICHT die Leistung von Kindern und Jugendlichen in der Schule. Forscher der Universität Würzburg um Prof. Markus Appel haben 59 entsprechende Veröffentlichungen zum Thema ausgewertet und sind zu diesem, für viele vielleicht überraschenden, Ergebnis gekommen. Im Gegenteil – sogar eine teilweise Verbesserung der schulischen Leistung wurde beobachtet.

Diese bemerkenswerte Meldung der Uni Würzburg war in den meisten größeren Medien vor ein paar Tagen zumindest als kurze Randnotiz zu finden, so etwa in der Berliner Zeitung

Es lohnt sich, die gesamte Studie zu lesen. Diese finden Sie HIER (engl.).

Nach eingehender Betrachtrachtung derselben ist allerdings festzustellen, dass die oben genannte Darstellung nur sehr verkürzt und einseitig wiedergegeben ist. Zwar wird in den meisten Medien darauf hingewiesen, dass eine richtige Nutzung der Medien unerlässlich ist, an dieser Stelle jedoch ein paar weitere Anmerkungen.

Das genauere Lesen der angesprochenen Studie zeigt, dass die Aussage der teilweisen Verbesserung der Schulnoten tatsächlich sehr differenziert zu betrachten ist:

– Die Studie zeigt, dass die Ergebnisse stark davon abhängen, wofür die Medien/Social Media eingesetzt wurden. Positiv zeigen sie sich vor allem dann, wenn sie für schulische Tätigkeiten eingesetzt wurden, eine generelle Nutzung ohne konkrete Zielstellung sich dagegen eher negativ auswirkt (beziehungsweise es wird kein Effekt erkannt). Zum Teil sind die Studienergebnisse in diesem Punkt uneinheitlich.

– Die Studie weist für die generelle (nicht schulspezifische) Nutzung von Social Media auf unterschiedliche Altersgruppen und in diesen zugleich auf die unterschiedlich ausgeprägten Effekte hin (siehe nachstehender Absatz)

– jüngere Schüler (undergraduated) – deutlich negative Auswirkungen

– junge Erwachsene/Jugendliche (adolescent) – NullEffekt

Auszug: „Finally, the observed heterogeneity in effect sizes could be partially attributed to the age group the study was based on. Whereas studies with  undergraduates showed a negative relationship between general SNS use and academic achievement …, there was no such association in studies with adolescents. Thus, negative associations observed for older participants are absent in the group of adolescents.“

„So far, it is unclear whether these differences are due to age effects or rather systematic cohort differences. Muchof the recent journalistic discourse in the field is focused on the cohort of post-millenials …, and their supposedly unique psychological responses to new media technologies. Little scientific evidence is available to back these supposed cohorteffects. Despite these intriguing moderating effects, it should be kept in mind that we had no a priori hypotheses guiding these analyses. Therefore, these exploratory analyses should beextended in future research that, for example, explicitly accounts for the potentially confounding influence of social desirability bias in SNS research or disentangles potential age effects from cohort differences.“

Fazit: Auch ein Blick darauf, welche Art von Studien in die Metaanalyse einbezogen wurden und welche nicht, ist interessant. Es geht hier ausschließlich um Schulnoten, nicht um sonstige Fertigkeiten beziehungsweise Fähigkeiten. Uneinheitlich sind die Studien zudem darin, ob die tatsächlichen Schulnoten oder eine Selbsteinschätzung der Schüler zu Grunde gelegt wurde. Die Studie selbst weist auf Unsicherheiten in der Bewertung der einzelnen Ergebnisse und den ausgewiesenen bestehenden Forschungsbedarf hin.

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